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Foto: Jiri Hampl

Ledertaschen vom Arche-Hof Windeck

 

Taschen aus Rindleder sind etwas Besonderes. Sie bestechen durch die Schönheit des Materials, Geschmeidigkeit, Haptik, ihre lange Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit. Zudem sind die Spuren der natürlichen Abnutzung keine Mängel, sondern gehören zum Charakter der Tasche.

Auf dem Markt gibt es unzählige Leder-taschen in allen Formen und Preisklassen. Taschen, die aus den Häuten eigener Rinder hergestellt und ausschließlich in Deutschland nachhaltig weiterverarbeitet werden, bevor sie als fertiges Produkt wieder zum Hof zurückfinden, gibt es jedoch nicht viele. Lisa Anschütz vom Arche-Hof in Windeck-Kohlberg war die Initiatorin dieser ungewöhnlichen Idee und hat im letzten Jahr eine Mustertasche, dieses Jahr bereits die erste Kollektion der eigenen Arche-Hof-Ledertaschenserie Agathe herausgebracht – in vier wunderschönen Farbnuancen und zeitlosem Design. Und prompt wurde die Mustertasche letztes Jahr mit dem Arca-Deli-Award der Schweizer SAVE Foundation prämiert, der Produkte von bedrohten Haustierrassen würdigt. Das war nach 2014 die zweite Auszeichnung für den Windecker Hof. Der Aspekt der Nachhaltigkeit bei der Taschenverarbeitung war für Lisa Anschütz keine Frage, vielmehr ein selbstverständlicher Ansatzpunkt, der sich durch ihr ganzes Leben zieht. „Unser Ausgangspunkt war immer, vom ganzen Tier alles zu verarbeiten. Wir schlachten jährlich acht bis zehn Rinder, das sind etwa 4 m² Häute pro Tier, also max. 40 m² Leder. Als vor fünf Jahren der damalige Abnehmer der Rinderhäute absprang, konnte ich mich nur schwer damit anfreunden, dass man so ein tolles Material wegwirft, aus dem man so gute Produkte machen kann,“ so die Reaktion der Landwirtin.

Die Ledertasche

Die Idee dazu reifte gut zwei Jahre. Zeit-los und elegant in der Form, vielfältig in der Funktionalität sollte die Tasche sein, sodass auch ein IT Tablet hineinpasst. Lisa Anschütz machte sich an die Produktentwicklung: „Ich überlegte, welche Hautstärke ich für eine Tasche brauche, was ich überhaupt will und was ich mir zutraue.“ Sie entwickelte ein Schnittmuster, entwarf zusammen mit einem Grafiker ein eigenes Logo und dachte über die Weiterverarbeitung nach. Die Häute der Glanrinder werden nach Runkel an der Lahn in die Gerberei von Gerbermeister Michael Beuleke gebracht, zu Leder verarbeitet und anschließend pflanzlich gegerbt. Danach werden aus dem Leder in einer kleinen Manufaktur in Burkhardtsdorf Taschen hergestellt. Für das Innenfutter nimmt man einen festen Baumwollstoff. Aus dem kleinen „Lederabfall“ lässt man Schlüsselanhänger, Lesezeichen und kleine Notizbüchlein nähen, die sich in jeder Tasche nützlich erweisen. Unter Lisas Regie entstehen neben eigenen Produkten aus selbstgesponnener Wolle noch Steppdecken, Kissen-Inletts, gewebte Tagesdecken und gehäkelte Körbe, die in Zusammenarbeit mit
einer Behindertenwerkstatt gefertigt werden. Die Handweberei einer Freundin fertigte in diesem Jahr einen Stoff aus handgesponnener Wolle der Bentheimer Schafe. Eine Schneiderin entwarf daraus eine individuelle Jacke, die in diesem Jahr den Arca-Deli-Award gewann. „Ich kann in meinem ganz kleinen bescheidenen Rahmen entscheiden, was ich mit dem Material mache; das ist sehr schön und interessant für mich“, sagt Lisa Anschütz strahlend. „Das fertige Produkt, das ganz individuell ist, macht mich glücklich.“

Der Arche-Hof Windeck

Lisa Anschütz betreibt mit ihrem Mann Karl-Josef Groß einen Bauernhof im Nebenerwerb, der seit 100 Jahren im Besitz der Familie Groß ist. Hier weiden auf 28 ha Fläche eine Mutterkuhherde mit Glanrindern sowie Bentheimer Landschafe, im Hühnerhof scharren Krüper-Hühner, im Stall schnattern die Puten. Sie alle werden direkt auf dem Hof im eigenen Schlachthaus geschlachtet und müssen keine leidvollen Transporte absolvieren. Vorher können sie aber ein artgerechtes Leben führen. Die beiden Bauern behandeln sie respektvoll und tun alles, damit es ihnen gut geht. Das Fleisch wird direkt vom Hof zu festgelegten Terminen vermarktet, genau wie die Zuchttiere, Eier oder Wolle. Der Hof ist einer der 100 Arche-Höfe in Deutschland, die vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen züchten und erhalten. Mit dieser Idee will man der Tatsache entgegentreten, dass alle zwei Wochen eine Nutztierrasse ausstirbt, die mit ihrem genetischen Erbe viel besser an Standort und Klima angepasst ist als die wenigen, aber zahlenmäßig stark vertretenen Hochleistungsrassen. „Wir haben als Bauern die Chance zu sagen: Ich weiß, woher das Tier kommt, auf welcher Weide es stand, wo das Ganze produziert wird. Und dass es zuvor ein gutes Leben hatte. Ich bin nicht bestrebt, alles nur billig zu machen“, sagt Lisa zum Abschied. (dh)

Arche-Hof Windeck, Eisenstr. 13,
51570 Windeck-Kohlberg,
Tel. 022 92 - 9514 07