iMAG

IHR LANDSTYLE MAGAZIN


SCHILLO

My secret garden heißt die Ausstellung des Keramikers Frank Schillo, für die er alljährlich an einem Wochenende mitten im Sommer nicht nur Laden und Werkstatt öffnet, sondern auch seinen privaten Garten – überraschend gelegen – im Hinterhof der Kölner Liebigstraße in Ehrenfeld. Ein kleiner Stadtgarten, umgeben von Backsteinmauern – hier kommen auch die größeren Gartenobjekte des Künstlers gut zur Geltung. Die vielen Gäste, von denen die meisten jedes Jahr zu diesem Event kommen, schätzen die lockere Atmosphäre und die netten Gespräche.

Wer sich für Keramik interessiert, dem muss man den gebürtigen Kölner nicht vorstellen. Zwar bewegte er sich immer in der Umgebung – Bonn, Rheinbach, Köln – bekannt ist er jedoch über die Grenzen Deutschlands hinaus, etliche Preise ehren von Anfang an seine Arbeiten. Mit ihm eigener Leichtigkeit kreiert er Vasen, Schalen, Gefäße für Draußen, freie Objekte. Kleine Serien für die Küche, witzig, verspielt – wie seine Dosen mit Deckeln, in denen Plastiktiere versinken. Alles Einzelstücke, die vor allem jungen Leuten den Zugang zur Keramik erleichtern. 

Herr Schillo, Sie haben vor sechs Jahren in Köln-Ehrenfeld Ihren eigenen Laden aufgemacht. War es eine gute Entscheidung?

Ja, absolut! Mir war es wichtig, „Wohnen und Arbeiten“ zusammen an einem Platz zu haben. Das hier ist nicht die Top-Lage in Köln, aber meine Kunden freuen sich, dass man hier noch relativ entspannt einen Parkplatz findet.

Wie haben Sie bisher Ihre Keramik verkauft?

Ich habe anfangs tatsächlich mehr über Galerien oder kleine Läden verkauft. Als ich vor fast 20 Jahren meine Selbständigkeit begann, gab es noch mehr Keramikgalerien, von denen heute viele verschwunden sind. Ständig vertreten bin ich aber z.B. im Museumsshop des Arpmuseums in Remagen. Außerdem habe ich immer an einigen ausgesuchten Märkten teilgenommen: Oldenburg, Diessen am Ammersee, Siegburg... und seit ich in Köln bin, habe ich sogar ein paarmal den Weihnachtsmarkt im Stadtgarten ausprobiert. 

Ich stelle inzwischen fest, dass immer mehr junge Leute zu mir in den Laden finden. Keramik war in meiner Generation ziemlich „out“ und deshalb freue ich mich umso mehr über ein neues „Unvoreingenommensein“!

Sie machen das alles, was man hier sieht, wirklich selbst?

Ja, alles. Unterscheiden kann man hier eigentlich zwischen den kleineren, auf der Töpferscheibe gedrehten Arbeiten (Becher, Schalen – Kleinserien von Gebrauchsgegenständen) und den größeren, frei aufgebauten Arbeiten – größere Gefäßformen bis hin zu ganz freien Objekten. Das sind zwei sehr unterschiedliche Arbeitsprozesse, aber ich mag sie beide.

Wenn ich den ganzen Tag Becher drehe und abends sehe, was ich geschafft habe, finde ich das sehr befriedigend. Ganz anders arbeite ich, wenn ich ein großes Objekt anfertige. In dem Fall setze ich mich bis zu einer Woche lang mit ein und derselben Form auseinander – und auch das ist spannend.

Wie fanden Sie zur Keramik?

Ich kenne das Material „Ton“ von klein auf. Meine Eltern waren klassische Hobbytöpfer in den 70er, 80er-Jahren mit eigener Werkstatt im Keller. Ich hatte dadurch schon im Kindesalter Ton in der Hand und sehr schnell meine Kunden für kleine geknetete Krokodile, Schweine und Eulen aus Steinzeugton. Wirklich begriffen, dass „Töpfern“ ein Beruf sein könnte, hatte ich aber nie. Erst nach Abitur und Zivildienst, als mir jemand vom IKK (Institut für künstlerische Keramik) im Westerwald erzählte, begriff ich, dass es eine spannende „Keramikszene“ mit lustigen Individualisten gibt, die fantastische Arbeiten hervorbringen. 

Und so machte ich mich auf den Weg. Zuerst habe ich das Handwerk bei Peter Seekircher in Königswinter erlernt – Ton zubereiten, das Drehen an der Scheibe, Glasieren, Brennen... Im Anschluss habe ich vier Jahre am IKK in Höhr-Grenzhausen (FH-Koblenz) freie Kunst/Keramik studiert. Eine sehr freie Zeit, in der die Ideen nur so sprudelten.

1999 habe ich mich selbständig gemacht. Dann habe ich ja nächstes Jahr 20-jähriges Jubiläum!

 

In Ihrem Blog schreiben Sie über die schwierigen Zeiten des Keramikgeschäfts und das neu entstehende Bedürfnis nach Individualität, Authentizität. Haben Sie tatsächlich das Gefühl, dass Keramik wieder angesagter ist?

Im Moment würde ich behaupten, es ist so. Ich sehe schon die Sehnsucht der Leute, abseits von Innenstädten einzukaufen. Und es wächst eine Nachfrage bei jungen Leuten nach kreativer Beschäftigung. Das führt zu einer riesen Anfrage nach Keramikkursen, die gar nicht bedient werden kann. 

Viele Ihrer Arbeiten haben die typische „Schillo-Rille“. Wie ist sie entstanden?

Im Grunde geht sie auf die Drehrille zurück, die entsteht, wenn man beim Töpfern auf der Scheibe mit den Fingern in den Ton greift. Diese Rille habe ich gewissermaßen „kultiviert“ und auf verschiedenste Art und Weise untersucht und „in Form“ gebracht. Gerade meine freieren Arbeiten sind eher Form-Untersuchungen als dass sie etwas Konkretes abbilden möchten. 

Welche Ihrer Stücke kommen am besten bei Ihren Kunden an?

Das kann ich gar nicht sagen. Eigentlich alle. Ich bin froh, dass ich so breit aufgestellt bin – von einem kleinen Moccabecher oder einem Väschen bis hin zu größeren Objekten.

Sind Sie ein Perfektionist?

Schon irgendwie. Ich versuche mich immer davon zu lösen, aber das gelingt mir nicht wirklich – jeder muss halt das machen, was er machen muss. Ich habe relativ wenig Ausschuss, aber wenn ich ein Stück habe, welches mir nicht gefällt, dann muss ich es mit dem Hammer zerschlagen, damit es „aus der Welt“ ist.

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft? 

Ich wünsche mir, wieder freier in meiner Arbeit zu werden. Ich lebe von meiner Arbeit und das bedeutet, dass ich manchmal einfach nur produzieren muss. Es bleibt wenig Zeit, neue Ideen umzusetzen, auszuprobieren, einfach mal zu „spielen“. Vor zwei Jahren habe ich aus diesem Grund an einem „artist in residence“-Programm in Finnland teilgenommen. Das war toll und so etwas würde ich wieder machen!

(dh)

 

Nächste Ausstellung bei und mit Jutta Grote

23.11. bis 24.12.2018   

GROTE contraste, Atelier, Landmannstr. 10, 50825 Köln

Weitere Ausstellungen auf:
www.schillo-keramik.de

 

Aktuell

Neue Ausgabe erscheint
am 20.11.2018

Inhalt
Auslagestellen


 

Highlights

Der Windeck Kalender 2019

Preis: 14,90 €
inkl. 19% MwSt.

Erhältlich bei:
Buchhandlung Schlösser, Windeck-Rosbach
Tourismus Windecker Ländchen e.V., Windeck-Schladern
Buchhandlung Joest, Windeck-Dattenfeld

weiter lesen